Du musst heute nicht dein neues Leben planen. Wenn die Trennung gerade erst passiert ist, reicht ein kleineres Ziel: etwas essen, eine vertraute Person anrufen und die nächste Nachricht an deinen Ex oder deine Ex nicht im Affekt senden.
Liebeskummer überwinden bedeutet nicht, einen geliebten Menschen auf Knopfdruck zu vergessen. Es bedeutet, Schritt für Schritt drei Dinge zurückzugewinnen:
- Stabilität im Alltag,
- Abstand zu dem, was den Schmerz immer wieder anfeuert,
- ein Leben, das sich wieder nach deinem eigenen anfühlt.
Dieser Ratgeber ist deshalb keine Liste mit zwölf Ablenkungstipps und kein Versprechen, dass du nach einer bestimmten Anzahl von Wochen „darüber hinweg“ sein wirst. Wenn du eine Trennung überwinden willst, brauchst du keinen perfekten Zeitplan, sondern nächste Schritte, die zu deiner Situation passen. Du bekommst einen konkreten Plan für die ersten 72 Stunden, die Zeit danach und die Momente, in denen der Impuls zu schreiben alles andere übertönt.
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Was tun bei Liebeskummer? Dein Plan für die ersten 72 Stunden
In den ersten Stunden nach einer Trennung versucht der Kopf oft, sofort eine endgültige Lösung zu finden: noch ein Gespräch, die perfekte Erklärung, ein Versprechen, eine große Veränderung. Gleichzeitig fehlen Schlaf, Appetit und Konzentration.
Das ist kein guter Zeitpunkt für Entscheidungen mit langer Wirkung. Die Aufgabe der ersten drei Tage lautet nicht „abschließen“, sondern dich so weit stabilisieren, dass du wieder wählen kannst, statt nur zu reagieren.
1. Hole eine konkrete Person dazu
Schreibe nicht nur „Mir geht es schlecht“ in eine Gruppe. Wähle eine Person, bei der du dich sicher fühlst, und bitte um etwas Greifbares:
- „Kannst du heute Abend zehn Minuten mit mir telefonieren?“
- „Können wir morgen zusammen frühstücken?“
- „Ich will ihm gerade schreiben. Darf ich dir die Nachricht zuerst schicken?“
Wenn du allein wohnst und die Nacht schwierig wird, vereinbart direkt den nächsten Kontakt. Unterstützung funktioniert besser, wenn niemand erraten muss, was du brauchst.
2. Sichere die körperlichen Grundlagen
Trinke Wasser. Iss etwas Einfaches. Dusche oder wechsle die Kleidung. Versuche, zu einer ungefähr normalen Zeit ins Bett zu gehen, auch wenn der Schlaf nicht sofort kommt.
Das klingt banal, ist aber keine Nebensache. Anhaltender Stress kann unter anderem mit Schlafproblemen, körperlicher Anspannung und Erschöpfung einhergehen. Das deutsche Gesundheitsportal gesund.bund.de nennt Bewegung, bewusste Pausen und individuell passende Entspannung als mögliche Gegenpole. Ein kurzer Spaziergang behandelt keinen Liebeskummer. Er kann aber den Körper aus stundenlangem Erstarren holen.
3. Verschiebe unumkehrbare Handlungen
Für 72 Stunden gilt, sofern keine Sicherheit oder dringende Organisation betroffen ist:
- keine öffentlichen Abrechnungen;
- keine Kündigung aus dem Affekt;
- keine spontanen Reisen zur Wohnung deines Ex-Partners;
- keine Zerstörung von Erinnerungsstücken;
- keine großen Versprechen, um die Trennung rückgängig zu machen.
Packe Fotos und Geschenke notfalls in eine Kiste. Du musst heute weder alles behalten noch alles wegwerfen.
4. Verkleinere den nächsten Schritt
„Ich werde nie wieder schreiben“ kann unerreichbar wirken. „Ich schreibe in den nächsten 30 Minuten nicht“ ist machbar. Danach entscheidest du erneut.
Dieser kurze Horizont ist keine Schwäche. Er verhindert, dass ein überforderter Abend über die nächsten Monate entscheidet.
Warum eine Trennung körperlich wehtun kann
Liebeskummer kann sich im Körper zeigen: als Druck in der Brust, fehlender Appetit, flacher Schlaf, Unruhe oder ein ständiger Blick aufs Handy. Das bedeutet nicht, dass du übertreibst.
In einer kleinen Neuroimaging-Studie betrachteten Menschen nach einer ungewollten Trennung ein Foto ihrer ehemaligen Partnerperson und erinnerten sich an die Zurückweisung. Dabei waren Hirnregionen aktiv, die auch an Teilen der körperlichen Schmerzerfahrung beteiligt sind. Die Forschenden beschrieben eine Überschneidung zwischen intensiv erlebter sozialer Zurückweisung und körperlichem Schmerz.
Diese Studie beweist nicht, dass emotionaler und körperlicher Schmerz identisch sind. Eine spätere Meta-Analyse zeichnete ein komplexeres Bild und fand für soziale Zurückweisung nicht durchgehend dasselbe Aktivierungsmuster wie bei körperlichem Schmerz. Die vorsichtige Schlussfolgerung lautet: Starke Zurückweisung ist eine reale Belastung, die emotional und körperlich erlebt werden kann – aber eine einfache Formel wie „Liebeskummer ist exakt derselbe Schmerz“ geht zu weit.
Außerdem endet mit der Beziehung eine eingeübte Struktur. Nachrichten, Berührungen, Wochenendpläne, gemeinsame Freundschaften und Zukunftsbilder fallen nicht einzeln weg, sondern gleichzeitig. Dein Gehirn erwartet noch Abläufe, die nicht mehr stattfinden. Das kann den Drang erklären, ständig nach einem Signal zu suchen.
Die fünf Phasen sind kein Stundenplan
Viele deutschsprachige Ratgeber ordnen Liebeskummer in vier oder fünf Phasen: Schock, Verleugnung, Wut, Trauer und Akzeptanz. Solche Begriffe können helfen, Gefühle zu benennen. Problematisch werden sie, wenn daraus ein Kalender entsteht, den du korrekt abarbeiten sollst.
Das bekannte Modell von Elisabeth Kübler-Ross entstand nicht als festes Programm für romantische Trennungen. Auch das Wörterbuch der American Psychological Association bezeichnet die Stufen als hypothetisches und nicht lineares Modell: Zustände können sich überlappen, wiederkehren oder in einer anderen Reihenfolge auftreten.
Du kannst morgens erleichtert sein und abends weinen. Du kannst zwei gute Wochen haben und durch einen Geburtstag, ein Lied oder eine zufällige Begegnung wieder aus dem Gleichgewicht geraten. Das heißt nicht, dass du von vorn anfängst.

Hilfreicher als starre Phasen sind vier Bewegungen, die parallel stattfinden:
- stabilisieren: schlafen, essen und den Alltag wieder bewältigen;
- schützen: Auslöser und verwirrenden Kontakt reduzieren;
- verarbeiten: Gefühle zulassen, ohne jede Frage endlos zu verfolgen;
- neu aufbauen: eigene Beziehungen, Routinen und Zukunftspläne entwickeln.
Fortschritt bedeutet nicht, dass du nur noch in eine Richtung gehst. Er bedeutet, dass du nach einer Welle wieder Boden findest.
Trennung verarbeiten: Gefühle zulassen, ohne dich ihnen auszuliefern
Gefühle zu unterdrücken und stundenlang in ihnen zu versinken sind nicht die einzigen Möglichkeiten. Du kannst wahrnehmen, was gerade passiert, und trotzdem entscheiden, was du als Nächstes tust.
Versuche drei Ebenen zu trennen:
- Gefühl: „Ich fühle Einsamkeit und Angst.“
- Gedanke: „Ich werde nie wieder jemanden finden.“
- Handlung: „Ich rufe eine Freundin an und gehe zehn Minuten vor die Tür.“
Das Gefühl ist echt. Der Gedanke ist eine Prognose, keine Tatsache. Nur die Handlung verlangt jetzt eine Entscheidung.
Selbstmitgefühl ist keine Ausrede
In einer Beobachtungsstudie mit 109 Erwachsenen nach einer ehelichen Trennung ging mehr Selbstmitgefühl zu Beginn mit weniger belastendem Eindringen der Trennung in den Alltag einher. Dieser Zusammenhang war auch in späteren Erhebungen sichtbar. Weil die Studie beobachtend war, zeigt sie keine einfache Ursache-Wirkung-Beziehung. Sie widerspricht aber der Vorstellung, dass Selbstbeschimpfung ein besonders wirksamer Motor der Genesung sei.
Selbstmitgefühl muss nicht weich klingen:
- „Ich habe Fehler gemacht. Ich darf sie betrachten, ohne mich zu zerstören.“
- „Ich vermisse diese Person. Das verpflichtet mich nicht, Kontakt aufzunehmen.“
- „Heute schaffe ich nur das Nötigste. Morgen bewerte ich neu.“
Du musst die Beziehung nicht schönreden. Es geht darum, Schmerz nicht zusätzlich mit Scham zu beladen.
Abstand schaffen, ohne die Kontaktsperre zum Spiel zu machen
Eine Kontaktpause kann sinnvoll sein, wenn jedes Gespräch neue Hoffnung, Streit oder stundenlange Interpretation auslöst. Sie ist keine Methode, um den anderen eifersüchtig zu machen, und keine Garantie für eine Rückkehr.
Wenn keine Kinder, gemeinsame Wohnung, Arbeit oder rechtlichen Fragen betroffen sind, ist eine klare Pause oft leichter zu handhaben als eine vermeintliche Freundschaft, in der insgeheim weiter verhandelt wird. Unser Leitfaden zum Kontaktabbruch nach einer Trennung erklärt, wie du passende Grenzen festlegst.
Wenn Kontakt notwendig ist:
- nutze möglichst einen festgelegten Kanal;
- beschränke Nachrichten auf konkrete organisatorische Themen;
- vereinbare realistische Antwortzeiten;
- diskutiere die Beziehung nicht bei jeder Übergabe neu;
- dokumentiere wichtige Absprachen;
- hole dir fachliche Unterstützung, wenn Kontrolle, Drohungen, Stalking oder Gewalt eine Rolle spielen.
Eine Längsschnittstudie mit 122 kürzlich getrennten Erwachsenen untersuchte persönlichen Kontakt mit der Ex-Partnerperson über fünf Monate. Häufigerer Kontakt sagte zwei Monate später mehr trennungsbezogene Belastung voraus – dieser Effekt zeigte sich in den Zusatzanalysen bei Menschen ohne gemeinsame Kinder, nicht bei Eltern. Das ist kein Beweis für eine universelle Kontaktsperre. Es zeigt, warum die Lebenssituation bei jeder Empfehlung mitgedacht werden muss.
Soziale Medien: Nähe ohne Gespräch ist trotzdem Nähe
Du kannst keinen direkten Kontakt haben und trotzdem jede Bewegung deines Ex-Partners verfolgen. Ein neues Profilbild, ein Like oder eine Story liefert selten die eindeutige Antwort, die du suchst. Oft erzeugt es neue Fragen.
Eine Studie mit 256 Personen, deren Trennung höchstens ein Jahr zurücklag, fand verschiedene Muster der Social-Media-Nutzung nach der Trennung. Gruppen mit häufigem Beobachten und impulsivem Online-Verhalten berichteten mehr emotionalen Stress als Menschen mit wenig Monitoring. Die Daten zeigen einen Zusammenhang, nicht, dass ein einzelner Profilbesuch den Stress verursacht. Wer stärker leidet, schaut möglicherweise auch häufiger nach.
Für einen Selbstversuch reicht die Evidenz dennoch:
- schalte Stories und Beiträge stumm;
- entferne den Chat vom Startbildschirm;
- lösche gespeicherte Suchanfragen;
- bitte Freunde, dir keine Updates zu schicken;
- verschiebe Fotos aus der Hauptgalerie in einen separaten Ordner.
Du musst nichts demonstrativ löschen. Die Frage lautet nur: Welche digitale Grenze verschafft dir heute mehr Ruhe?
Wenn du unbedingt schreiben willst: der Vier-Schritte-Unterbruch
Der Impuls, den Ex zu kontaktieren, ist häufig schnell und körperlich. Deshalb hilft in diesem Moment kein langer Vortrag. Nutze einen kurzen Ablauf:
- Pausieren: Lege das Handy für zehn Minuten mit dem Display nach unten.
- Regulieren: Atme langsam aus, trinke Wasser oder wechsle den Raum.
- Benennen: Vervollständige den Satz: „Ich will nachsehen oder schreiben, weil ich gerade … fühle.“
- Wählen: Rufe jemanden an, gehe kurz hinaus oder beginne eine klar begrenzte Aufgabe.

Die zehn Minuten sollen den Liebeskummer nicht beseitigen. Sie schaffen Abstand zwischen Gefühl und Handlung. Wenn du danach immer noch schreiben möchtest, kannst du die Folgen ruhiger einschätzen:
- Was erhoffe ich mir konkret?
- Was passiert, wenn keine Antwort kommt?
- Was passiert, wenn die Antwort freundlich, aber endgültig ist?
- Dient diese Nachricht einer notwendigen Klärung oder nur der kurzfristigen Beruhigung?
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Grübeln stoppen, ohne dir das Denken zu verbieten
Eine Beziehung zu reflektieren kann hilfreich sein. Grübeln ist etwas anderes: dieselbe Frage läuft wieder und wieder, aber es entsteht keine neue Information und keine Entscheidung.
Prüfe einen Gedanken mit zwei Fragen:
- Lerne ich gerade etwas Konkretes?
- Kann ich daraus eine Handlung für mich ableiten?
Wenn beides mit Nein beantwortet wird, wechsle den Modus. Nicht zu positivem Denken, sondern zu einer präziseren Frage:
- statt „Warum war ich nicht genug?“: „Welche Bedürfnisse blieben in dieser Beziehung unerfüllt?“
- statt „War alles gelogen?“: „Welche Erfahrungen waren gut, und welche Probleme waren trotzdem real?“
- statt „Was denkt mein Ex gerade?“: „Was brauche ich heute, ohne seine Gedanken zu kennen?“
Tagebuchschreiben ist kein Pflichtprogramm
Schreiben wird oft als universeller Rat gegen Liebeskummer präsentiert. Die Forschung ist weniger eindeutig. In einem randomisierten Experiment mit 90 kürzlich getrennten Erwachsenen verbesserten zwei Formen emotionalen Schreibens die Erholung insgesamt nicht. Bei Personen, die stark nach einer Bedeutung der Trennung suchten, waren die emotionalen Ergebnisse in den Schreibgruppen sogar schlechter als in der Kontrollgruppe.
Das bedeutet nicht, dass Tagebücher schaden. Es bedeutet: Beobachte die Wirkung, statt das Ritual automatisch für heilsam zu halten.
Ein kurzer, strukturierter Eintrag kann so aussehen:
- Was ist passiert – ohne Motive zu erraten?
- Was fühle ich?
- Was brauche ich in den nächsten 24 Stunden?
- Was ist der kleinste umsetzbare Schritt?
Begrenze das Schreiben zunächst auf zehn Minuten. Wenn du danach regelmäßig aufgewühlter bist und nur dieselben Sätze wiederholst, versuche Bewegung, ein Gespräch oder professionelle Unterstützung.
Nach der Trennung wieder herausfinden, wer du bist
Eine Trennung nimmt nicht nur eine Person aus deinem Leben. Sie kann auch die Antwort auf die Frage „Wer bin ich ohne uns?“ unscharf machen.
In drei Studien untersuchten Erica Slotter und Kollegen Veränderungen des Selbstkonzepts nach romantischen Trennungen. Die Ergebnisse verbanden Trennungen mit geringerer Klarheit darüber, wer man ist; weniger Selbstkonzeptklarheit hing wiederum mit stärkerer emotionaler Belastung zusammen. Das ist keine Diagnose. Es erklärt aber, warum eigene Routinen und Entscheidungen mehr sind als Ablenkung.
Baue Identität über Termine auf, nicht über Vorsätze
Erstelle drei kurze Listen:
Zurückholen
- eine Freundschaft, die zu wenig Raum hatte;
- ein Hobby, das liegen blieb;
- einen Ort, den du allein mochtest.
Behalten
- eine gute Routine aus der Beziehung;
- etwas, das du über Kommunikation gelernt hast;
- einen Wert, der dir klarer geworden ist.
Ausprobieren
- eine wöchentliche Aktivität;
- einen neuen Weg durch die Stadt;
- ein Projekt, das klein genug ist, um es zu beenden.
Wähle aus jeder Liste eine Sache und trage sie in den Kalender ein. Du musst nicht sofort eine „bessere Version“ deiner selbst werden. Du sammelst Erfahrungen, in denen du dich wieder als eigenständige Person erlebst.
Unterstützung suchen, ohne jede Begegnung zur Trennungsanalyse zu machen
Soziale Unterstützung kann zuhören, strukturieren und Normalität zurückbringen. Nicht jede Person muss dabei dieselbe Rolle übernehmen.
- Mit einer vertrauten Person sprichst du offen über den Schmerz.
- Mit einer anderen gehst du spazieren oder kochst.
- Kolleginnen und Kollegen geben dem Tag Struktur.
- Eine Beratungsstelle oder Psychotherapie kann helfen, wenn Freunde an Grenzen kommen oder sich Muster wiederholen.
Formuliere klar, was du gerade brauchst:
- „Bitte hör nur zu; ich brauche heute keine Lösung.“
- „Hilfst du mir, den Abend zu planen?“
- „Lass uns über etwas anderes sprechen.“
- „Kannst du mich bei der Suche nach professioneller Hilfe unterstützen?“
Verteile Unterstützung auf mehrere Schultern. Eine einzige Freundschaft sollte nicht rund um die Uhr Krisendienst und vollständiger Alltag zugleich sein.
Wie lange dauert es, Liebeskummer zu überwinden?
Es gibt keine seriöse Formel aus Beziehungsdauer, Alter und Anzahl der gemeinsamen Urlaube. Studien zu Trennungen untersuchen unterschiedliche Gruppen – etwa Studierende, unverheiratete Paare oder Menschen nach einer Scheidung – und messen nicht immer dasselbe. Eine Durchschnittszahl aus einer einzelnen Stichprobe ist daher kein persönliches Ablaufdatum.
Miss Fortschritt lieber an Funktion und Flexibilität:
- Du schläfst oder isst wieder etwas regelmäßiger.
- Du kannst dich länger auf Arbeit oder Studium konzentrieren.
- Der Impuls, online nachzusehen, kommt seltener oder bestimmt dich weniger.
- Du erlebst Momente von Interesse oder Freude, ohne dich schuldig zu fühlen.
- Du kannst Gutes und Schwieriges an der Beziehung gleichzeitig sehen.
- Zukunftspläne enthalten wieder eigene Wünsche.
Ein schlechter Tag widerspricht diesen Veränderungen nicht. Genesung lässt sich eher an der Fähigkeit erkennen, nach einem Auslöser wieder zurückzufinden, als an völliger Gefühllosigkeit.
Wann du wieder daten solltest
Ein neues Date ist weder der Beweis, dass du geheilt bist, noch automatisch ein Fehler. Entscheidend ist, wofür du die Begegnung nutzt und wie ehrlich du sein kannst.
Gute Fragen vor dem Dating sind:
- Bin ich neugierig auf diese Person oder will ich nur nicht allein sein?
- Kann ich langsam anfangen, ohne sofort eine neue Zukunft zu entwerfen?
- Vergleiche ich jede Person mit meinem Ex?
- Hoffe ich, dass mein Ex davon erfährt?
- Kann ich offen sagen, wie verfügbar ich emotional gerade bin?
Du musst keine vollständige Gleichgültigkeit gegenüber der alten Beziehung erreichen. Aber die neue Person sollte nicht als Schmerzmittel, Beweis des eigenen Werts oder Botschaft an den Ex dienen.
Wenn dein eigentliches Ziel eine Versöhnung ist, triff die Entscheidung erst aus etwas mehr Stabilität. Der Leitfaden Ex zurückgewinnen: ohne Druck und Manipulation hilft dir, Wunsch und Realität auseinanderzuhalten. Bei wiederholtem Nähe-Distanz-Verhalten kann außerdem die Einordnung zu vermeidendem Bindungsstil nach einer Trennung nützlich sein – nicht als Ferndiagnose, sondern um Muster und Grenzen klarer zu sehen.
Wann professionelle Hilfe sinnvoll ist
Liebeskummer ist nicht automatisch eine psychische Erkrankung. Trotzdem musst du nicht warten, bis gar nichts mehr geht.
Sprich mit einer Ärztin, einem Arzt, einer psychotherapeutischen Praxis oder einer Beratungsstelle, wenn:
- Schlaf, Essen, Arbeit, Studium oder Selbstfürsorge deutlich beeinträchtigt bleiben;
- du dich über längere Zeit fast vollständig zurückziehst;
- Panik, Hoffnungslosigkeit oder starke innere Unruhe zunehmen;
- du Alkohol, Medikamente oder andere Substanzen nutzt, um den Tag auszuhalten;
- die Beziehung von Gewalt, Drohungen, Kontrolle oder Stalking geprägt war;
- deine Beschwerden nicht nachlassen oder sich verschärfen;
- Gedanken auftauchen, dir etwas anzutun oder nicht mehr leben zu wollen.
Traurigkeit nach einer Trennung und eine Depression sind nicht dasselbe. Gesundheitsinformation.de beschreibt bei Depressionen unter anderem anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust und Antriebsmangel sowie mögliche Schlaf-, Appetit- und Konzentrationsprobleme. Ob eine Erkrankung vorliegt, gehört in professionelle Hände, nicht in einen Selbsttest aus einem Beziehungsratgeber.
Wenn du akut gefährdet bist oder glaubst, dir etwas anzutun, wende dich sofort an den örtlichen Rettungsdienst, eine psychiatrische Notaufnahme oder eine offizielle Krisenhilfe.
Häufige Fragen zu Liebeskummer und Trennung
Wie komme ich über meinen Ex hinweg, obwohl ich ihn noch liebe?
Du musst die Liebe nicht leugnen, um Grenzen zu setzen. Gefühle und Beziehungsentscheidung sind zwei verschiedene Dinge. Du kannst jemanden vermissen und gleichzeitig anerkennen, dass Sicherheit, Respekt, Gegenseitigkeit oder gemeinsame Ziele gefehlt haben. Abstand soll das Gefühl nicht bestrafen, sondern dir helfen, wieder nach der gesamten Realität zu handeln.
Was hilft am schnellsten gegen Liebeskummer?
Es gibt keinen belegten Schnellweg. Hilfreich ist, vermeidbare Verstärker zu reduzieren: dauerndes Monitoring, impulsiver Kontakt, Isolation und Substanzen zum Betäuben. Stabilisiere Schlaf, Essen und Alltag, hole Unterstützung dazu und passe digitale Grenzen an. „Schnell“ sollte nicht bedeuten, dass du Schmerz nur versteckst.
Muss ich den Kontakt komplett abbrechen?
Nein. Eine Pause kann sinnvoll sein, wenn jeder Austausch Hoffnung oder Angst neu anheizt. Bei Kindern, gemeinsamer Wohnung, Arbeit oder organisatorischen Verpflichtungen ist begrenzter, sachlicher und planbarer Kontakt oft realistischer. Sicherheit geht immer vor einer allgemeinen Kontaktregel.
Sollte ich alle Fotos und Erinnerungen löschen?
Nicht im Affekt. Entferne sie zunächst aus deinem unmittelbaren Blickfeld, wenn sie dich ständig auslösen. Später kannst du entscheiden, was du behalten möchtest. Heilung lässt sich nicht daran messen, wie vollständig du eine gemeinsame Vergangenheit vernichtest.
Ist Erleichterung nach der Trennung normal?
Ja. Erleichterung und Trauer können gleichzeitig auftreten, besonders nach langen Konflikten, Unsicherheit oder emotionaler Erschöpfung. Erleichterung beweist nicht, dass dir die Beziehung nichts bedeutet hat.
Kann ich mit meinem Ex befreundet bleiben?
Vielleicht – aber du musst das nicht sofort entscheiden. Eine Freundschaft braucht Grenzen und darf keine verdeckte Verhandlung über ein Comeback sein. Wenn jede Nachricht Hoffnung, Eifersucht oder Absturz auslöst, ist mehr Abstand wahrscheinlich ehrlicher.
Quellen und weiterführende Literatur
- Kross E. et al. (2011), Social rejection shares somatosensory representations with physical pain, Proceedings of the National Academy of Sciences.
- Cacioppo S. et al. (2013), A quantitative meta-analysis of functional imaging studies of social rejection, Scientific Reports.
- Sbarra D. et al. (2012), When leaving your ex, love yourself, Psychological Science.
- O'Hara K. et al. (2020), Contact with an Ex-partner is Associated with Psychological Distress after Marital Separation, Clinical Psychological Science.
- McDaniel B. et al. (2021), Are You Going to Delete Me? Post-Relationship Breakup Social Media Use and Emotional Distress, Cyberpsychology, Behavior, and Social Networking.
- Sbarra D. et al. (2013), Expressive Writing Can Impede Emotional Recovery Following Marital Separation, Clinical Psychological Science.
- Slotter E. et al. (2010), Who am I without you? The influence of romantic breakup on the self-concept, Personality and Social Psychology Bulletin.
- Bundesministerium für Gesundheit, Stress: Auswirkungen auf Körper und Psyche, gesund.bund.de.
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Depression, Gesundheitsinformation.de.
Du musst heute nicht beweisen, dass die Beziehung dir egal ist. Du brauchst nur den nächsten Schritt, bei dem der Schmerz nicht allein entscheidet: das Profil stummschalten, etwas essen, eine Person anrufen oder eine Stunde mit der Nachricht warten.
Wenn du Abstand strukturieren, Auslöser erkennen und deine Fortschritte festhalten möchtest, kannst du bei No Contact anfangen.
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